Vielleicht hast du schon einmal in einem Menschen oder an einer Sache wunderbare Eigenschaften entdeckt, die dir bisher verborgen waren. Vielleicht waren es unscheinbare Eigenschaften oder solche, deren Wert du bislang nicht erkannt hattest. Wenn nicht, war es auch einfach nicht die richtige Perspektive, mit der du diesen Menschen oder diese Sache betrachtet hattest.
Genau so könnte es dir einmal mit der Meditation ergehen. Es ist nicht selten, dass Menschen das verborgene Juwel einfach nicht erkennen, das in der Meditation auf sie wartet.
Warum wird es nicht erkannt?
In unserer schnelllebigen Zeit werden Ergebnisse oft spontan erwartet. Man will nicht warten, nicht so genau hinschauen, man ist ungeduldig, und wenn sich das Ergebnis nicht schnell zeigt, wendet man sich ab. Wer ungeduldig und von den vielfältigen Reizen des Alltags geblendet ist, dem bleiben meist kleine Details verborgen. Sie werden übersehen oder als nicht wichtig betrachtet. Auch kommt es vor, dass man sich von Dingen oder Vorhaben abwendet, weil man auf Hindernisse trifft, denen man sich nicht stellen mag.
Wenn du den Gipfel eines Berges erreichen willst, dann musst du das Hindernis der Steigung bezwingen, oder? Aber ist es nicht so, dass auch der steile Weg, der deine Kraft und Ausdauer fordert, dich mit wertvollen und beglückenden Erfahrungen überraschen wird? Frage einen Bergsteiger. Er wird dir sagen, dass es nicht nur das erreichte Ziel ist, das ihn zum Aufbruch brachte, sondern auch der Weg dorthin. „Der Weg ist das Ziel“, sagt man, und jeder, der das einmal für sich erkannt hat, wird das bestätigen.
Was ist das Ziel der Meditation? Und was macht den Weg aus, der zum Ziel führt?
Zunächst einmal sind die Ziele, die Menschen mit Meditation verbinden, sehr unterschiedlich, und es sind manche Wirkungen der Meditation, die auch mit einfachen Entspannungstechniken erreicht werden können. Da sind die körperliche Entspannung und die Stressreduktion. Das sind gewissermaßen Nebenwirkungen der Meditation. Dennoch – Meditation geht wesentlich tiefer; sie erfordert aber, dass man sich wirklich auf den Weg einlässt. Das ist ein sehr wichtiger Punkt! Es geht darum, eine Entscheidung zu treffen: ob ich will oder eben nicht. Es geht darum, sich darauf einzulassen und auch dabei zu bleiben. Auch für die Meditation passt der Vergleich mit dem Weg zum Gipfel eines Berges. Jede Bewegung, jeder Schritt ist von Bedeutung. Natürlich wirst du während der Meditation nicht abstürzen, du wirst dich nicht verletzen. Ein Misserfolg während der Meditation ist lediglich eine Erfahrung, die dich weiterbringen wird. Diese Erfahrung ist wertvoll, und du wirst sie sehr oft machen. Der Weg ist das Ziel, und auch der Misserfolg ist ein Erfolg. Diese Erkenntnis ist eines dieser Juwelen, von denen du möglicherweise nie erwartet hattest, dass es sie gibt.
Was die Erfahrungen in der Meditation so wertvoll macht, ist, dass sie deinen Alltag verändern werden.
Selbst wenn du während deiner Meditationsübungen auf Hindernisse gestoßen bist und dich geärgert oder abgebrochen hast, wird es deinen Alltag positiv verändern. Das ist so, weil dich die Übung im Laufe der Zeit immer bewusster macht. Du wirst die Hindernisse als solche mit einem anderen Bewusstsein erkennen und wahrnehmen – vielleicht das erste Mal überhaupt, ob es Ärger ist, Trägheit oder Zweifel – du wirst bald immer weniger darauf reagieren, weil sie dir bewusst werden und weil du erkennst, dass du nicht reagieren musst. Nun sind es keine Hindernisse mehr, die dir den Weg versperren. Scheitern ist Teil des Pfades. Misserfolge gehören zur Praxis und sind Lehrstücke, keine Katastrophen. Diese Einsicht ist eines jener Juwelen, die du vielleicht nie erwartet hattest. Es sind Erfahrungen, die kommen und gehen, wie Wolken am Himmel. Mit diesen Erfahrungen umzugehen braucht Übung und Zeit, und es erfordert Geduld; deine Geduld wird sich mit deinen Übungen immer mehr verbessern. Es ist wie ein Muskel, den du trainierst: Je mehr du ihn benutzt, desto kräftiger wird er. Du wirst es im Alltag feststellen: Du gehst gelassener mit Dingen und Menschen um, du achtest mehr auf Details, die vorher unbemerkt geblieben waren. Dieses klare und gelassene Sehen und Erkennen der Details und der stetigen Veränderungen nennt man Achtsamkeit, und Meditation ist nichts anderes als praktizierte Achtsamkeit, die dein Leben bereichern wird. Es geschieht automatisch.
Die Juwelen der Meditation wirst du also im Alltag bemerken. Du wirst gelassener, entspannter, offener, herzlicher, aber du wirst weiter gefordert werden. Um Meditation wirklich zu erlernen, ist es notwendig, einen Mentor an der Hand zu haben, einen erfahrenen Lehrer, der dir hilft, wenn du nicht weiterkommst, und der dir nützliche Hinweise gibt und dich motivieren kann, denn die Meditation wird dich fordern.
Was wird dich fordern?
Ebenso wie dir die bislang unbemerkten und schönen Details in deinem Alltag klarer und bewusster werden, so werden dir auch deine Schattenseiten klarer und bewusster werden. Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt! Meditation wirkt in alle Richtungen. Sie leuchtet in alle Bereiche deines Geistes mit seinen Gewohnheiten und macht sie sichtbar. Da mögen Eigenschaften sichtbar werden wie Neid, Ablehnung, Eifersucht, Gier, übertriebener Zweifel oder lähmende Trägheit. Es sind Eigenschaften, die deine Lebensenergie binden, und es sind Eigenschaften, auf die du immer automatisch reagiert hast. Es blieb dir keine Zeit, diesen Prozess zwischen auslösendem Impuls und Reaktion zu unterbrechen. Wenn dich deine Meditationspraxis bewusster macht, öffnet sich ein Raum zwischen Impuls und Reaktion. Es ist ein Raum, der dich innehalten lässt. Du spürst den Impuls und bemerkst, dass eine Reaktion aufkommen will. Das ist das erhellende Licht der Bewusstheit, mit der dich die Meditation auf deinem Weg zu innerer Freiheit begleitet.