Von der Sklaverei in die Realität

Wenn du meditierst, wirst du das tun, weil du etwas erreichen willst - vielleicht willst du Ruhe, Stressabbau, Entspannung erreichen.
Kannst du nachempfinden, dass deine Zielvorstellungen von deiner Gedankentätigkeit gesponnen werden?
Sind diese Gedanken real? Ist das eine ketzerische Frage? Du wirst vielleicht sagen: "Natürlich sind sie real. Ich denke sie doch - habe sie oft bildlich vor Augen - also sind sie real!"

Nehmen wir einfach einmal an, Gedanken und Realität sind etwas Verschiedenes. Sie sind nicht das Selbe.
Was ist dann Realität? Und was sind dann Gedanken?

Lass mich auf Meditation zurückkommen. Stell dir einfach mal vor, du erreichst einen tiefen, präsenten meditativen Zustand - eben so, wie die Meister ihn für dich sich wünschen. Was erlebst du da?
Ich sage mal, dass du dann Realität erlebst, eine Realität, in der es auch Gedanken gibt, die aber genauso wenig Realität sind, wie du und ein Baum das Selbe sind. Beide sind da. Du bist da und der Baum ist da. Realität existiert und Gedanken sind da.
Ich weiß, es klingt verwirrend, nicht wahr?

Lass es mich einfacher machen.
Wenn du während der Meditation tief präsent bist und deinen Atem spürst, so, als ob du ihn greifen könntest - so real, dass du ihn anfassen kannst und nichts als der Atem bleibt von dir übrig, dann bist du präsent. Und diese Präsenz ist Realität.
Natürlich werden da auch Gedanken sein. Das haben wir vorhin festgestellt. Aber sie sind nicht Teil deiner Realität. Sie sind bildlich gesprochen wie Wolken, die über dir vorüberziehen, während du auf einer Parkbank sitzst.

Deine Realität ist unverbrüchlich. Egal was passiert, sie ist unzerstörbar.
Als Synonym für Realität setze ich jetzt das Wort Bewusstsein.
Dein Bewusstsein ist unzerstörbar, aber es ist normalerweise von Wolkenschichten verborgen. Das sind deine Gedanken, die du bis jetzt für deine Realität gehalten hast.
Deine Realität ist darunter und sobald du sie - wie in der Meditation - erlebst, wird dir das Verhältnis klar werden.

Wenn du unbewusst bist, also deine Realität nicht bewohnst, bewohnst und lebst du deine Gedanken und hältst sie für deine Realität. Von dieser Illusion müssen wir ausgehen. Und was geschieht mit deinen Gedanken, die du für Realität hältst? Sie werden dich bestimmen, oder? Du folgst ihnen.

Jetzt nimm an, du erlebst diesen tief präsenten Zustand, den du als unverbrüchliche Realität in dir erkennst.
Dann erlebst du Realität als unverbrüchlichen Kern in dir, in den Gedanken nicht eindringen. Sie haben keinerlei Macht mehr über dich. Das sind Momente, in denen du vollkommen frei bist.

Kehrst du zurück in deinen "normalen" Alltag, in dem du nicht mehr präsent bist, dann werden deine Gedanken für dich wieder zur Realität und du gehst - eigentlich - freiwillig zurück in deine Sklaverei.